Begeisterung für Oldtimer-Restaurierung

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Blech reden ist nicht schwer. Mit einem Hammer auf Blech einschlagen auch nicht. Wer ein Blech mit einem Hammer und wenigen anderen Geräten zu einem Teil eines Oldtimer-Autos formen will, braucht jedoch großes handwerkliches Geschick und unendlich viel Geduld. So wie die acht handverlesenen Experten aus ganz Europa, die diese hohe Kunst in der Fahrzeugakademie Schweinfurt (FAS) in einem viertägigen Seminar perfektionieren wollen. Schweizer, Luxemburger, Ungarn, Belgier, Deutsche - alle sind nach Schweinfurt gekommen, um sich von zwei Spezialisten den letzten Schliff geben zu lassen.

"Diese Maschine muss man behandeln wie ein Musikinstrument", sagt Andy Kissack. Immer wieder zieht der Engländer, ein Mann mit ruhiger Stimme und dichtem Vollbart, das elegant geschwungene Alublech durch eine Vorrichtung, die so gar nichts von einem Musikinstrument hat. Auch der Name klingt eher nach Folterinstrument: Rollenstreckmaschine. Ein paar Stahlrohre, zu einem Rechteck verschweißt, das nur an einer Stelle nicht ganz geschlossen ist. Hier bewegt Kissack das Blech zwischen einer Walze und einer Kugel so lange hin und her, bis es der perfekten Form wieder ein Stückchen nähergekommen ist.

Internationale Spezialisten lernen an der Fahrzeugakademie

Die perfekte Form - das ist in diesem Fall der Kotflügel eines Jaguar XK-150 aus den 60er-Jahren. Seit vier Tagen tasten sich die acht Teilnehmer des Seminars schrittweise an das Ideal heran. Einer von ihnen ist der Schweizer Peter Erni. "Einen Kurs wie diesen habe ich lange gesucht", sagt er mit leuchtenden Augen. "Erst hier habe ich Leute gefunden, die mir das beibringen können." Erni ist wie die meisten anderen Teilnehmer Profi. In seiner 17-köpfigen Firma setzt er Autos instand, etwa 20 Prozent davon sind Oldtimer. Außerdem nennt er eine, wie er sagt, "kleine Sammlung" sein eigen. Erst nach mehrmaligen Nachfragen lässt er sich aus der Nase ziehen, was er darunter versteht: "Ich habe insgesamt 20 alte Autos, darunter acht Ferrari." Eine kleine Sammlung eben.

Karosseriebau

Was in der modernen Autoindustrie maschinell, in riesigen Stückzahlen und rasend schnell geschieht, ist bei der Oldtimer-Restaurierung eine nervenaufreibende, schweißtreibende Angelegenheit. Man sieht es Antal Pinter an. Mit einem rundlichen Hammer treibt der gebürtige Ungar eines von fünf Segmenten des Kotflügels auf einem flachen Sandsack in Form. Pinter, der in Deutschland lebt und als Karosseriebauer für BMW arbeitet, wirkt gehetzt. Es ist der letzte Tag des Seminars, und die schwierigen Schweißarbeiten stehen ihm noch bevor. Doch er klagt nicht ¿ im Gegenteil: "Das hier ist meine Leidenschaft", sagt er. Man glaubt es ihm sofort. Die 650 Euro für den Kurs zahlt er aus eigener Tasche. "Das ist es mir wert. Bei jedem Hammerschlag hier lerne ich etwas dazu."

Diese Hammerschläge richtig zu dosieren und exakt zu platzieren erfordert unendlich viel Übung. Der Weg zur Perfektion ist mühsam und nicht selten frustrierend. Da müssen der Karosseriebau-Meister Thomas Geis von der FAS und Andy Kissack schon auch ab und zu Mut machen. Geis, ebenfalls ein Meister mit dem Hammer, muss nebenher Kissacks Tipps für die Teilnehmer übersetzen. "Auch wenn ich nicht perfekt Englisch kann, ist das nicht weiter schlimm", sagt Geis, "Handwerk erklärt sich am besten beim Zuschauen." Andy Kissack unterrichtet normalerweise in Leeds. Er gilt als Koryphäe in der Oldtimer-Restaurierung. Matthias Dingfelder, Leiter der FAS, hatte Kissack vor drei Jahren bei einer Oldtimer-Show in Birmingham kennengelernt. "In England kann man sich Oldtimer von Hand nachbauen lassen", erzählt der Brite. "Das ist gar nicht mal so teuer, wie man vielleicht glaubt. In Deutschland gibt es leider zu wenige Spezialisten dafür, auch deshalb bieten wir solche Seminare an."

Schwierige Schweißarbeiten

In der Werkstatt der FAS lernen die Teilnehmer auch das schwierige Autogenschweißen mit Alublech. "Das macht heute eigentlich keiner mehr", sagt Thomas Geis und erklärt, was das Verfahren so kompliziert macht: "Man sieht keine Verfärbungen, die auf die richtige Temperatur hinweisen. In null Komma nichts hat man ein Loch im Blech." Die geringen Mengen Blech zu besorgen, die für solche Seminare in der FAS gebraucht werden, ist oft schwierig, so Geis. Die Industrie gibt sich eben nicht gerne mit "Peanuts" ab.

Patrick Dutschmann, Teilnehmer aus Kornwestheim, hat die Hürde Autogenschweißen längst genommen. Sein Kotflügel sieht für den Laien schon komplett fertig aus. Dennoch ist er nicht zufrieden. Angespannt und hochkonzentriert zieht er das Blech wieder und wieder durch die Rollenstreckmaschine. Andy Kissack kommt zu Hilfe, korrigiert Dutschmanns Bewegung ein wenig und packt das Blech dann auf der anderen Seite mit an. Nach zehn Minuten im Duett wird das in der Sonne blitzende Aluteil auf eine Negativ-Form gelegt. Es scheint genau zu passen. Doch die beiden nehmen es wieder herunter und arbeiten weiter - bis das Blech die perfekte Form hat.

Die Oldtimer-Seminare der Fahrzeugakademie im Überblick

online seit 16. Dez 2005, aktualisiert am 11. Apr 2012

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